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für den 17.07.2019

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Die Schüler Miguel und Anthony vor ihrem rollenden Klassenzimmer der „Schule für Circuskinder in NRW“. Die Schüler Miguel und Anthony vor ihrem rollenden Klassenzimmer der „Schule für Circuskinder in NRW“.

Bildung

25 Jahre verlässlicher Schulbesuch für Zirkuskinder

Ein  rollendes Klassenzimmer, das dem Zirkus hinterher fährt: Für die Kinder der „Schule für Circuskinder in NRW“ gehört das zum Alltag. Die staatlich anerkannte Schule bietet Kindern aus Zirkus- und Schaustellerfamilien seit 25 Jahren eine chancengleiche Bildung: Der Unterricht ist an ihre speziellen Bedürfnisse angepasst.

Es ist 9 Uhr morgens, in einem kleinen Ort in der Nähe von Kerpen. Ganz am Ortsrand, auf einem Feld steht das Zirkuszelt. Daneben einige Wohnmobile und Wohnwagen, hinter dem Zelt ein Auslauf für die Zirkustiere. Ponys, Lamas und Ziegen stehen in dem Gehege. Unweit des Zirkus steht der Schulwagen der „Schule für Circuskinder NRW“.

Die Schule in Trägerschaft der Evangelischen Kirche im Rheinland bietet Kindern von Zirkus- und Schaustellerfamilien mit mobilen Klassenzimmern und einem Online-Lernsystem seit 25 Jahren die Möglichkeit eines verlässlichen Schulbesuchs.

Silke Fislage kommt hinter einem der Wohnwagen hervor. Sie ist eine der Lehrerinnen an der Schule für Circuskinder und betreut die Schulkinder des „Circus Jonny Casselly“, einem Familienzirkus in der achten Generation. An zwei Tagen in der Woche fährt die Lehrerin das Wohnmobil zum Zirkus  und unterrichtet die Kinder vor Ort.

Der Schulwagen sieht von innen aus wie ein winziges Klassenzimmer, bis zu sechs Kinder finden darin Platz. An den Wänden hängen selbstgemalte Bilder. In Schränken an der Wand ist das Schulmaterial untergebracht – alles kann schnell fahrttauglich gesichert werden.

Aus dem Schulalltag eines Zirkuskindes

Lehrerin Silke Fislage mit ihren Schülern Miguel und Anthony im Schulwagen. Lehrerin Silke Fislage mit ihren Schülern Miguel und Anthony im Schulwagen.

Die Idee hinter dem Schulprojekt: „Alle Kinder sollen in den Genuss gleichwertiger Bildung kommen“, erzählt die Schulleiterin Annette Schwer. Denn Zirkuskinder haben es durch die häufigen Orts- und Schulwechsel oft schwer. Um ihnen den Zugang zu Bildung zu vereinfachen, passt sich die Schule an die Lebenswelt der reisenden Kinder und Jugendlichen an.

Für die Zukunft erhofft sich die Schulleiterin, dass das das Projekt auch über die Grenzen Nordrhein-Westfalens ausgedehnt wird. „Für mich ist es entscheidend, dass wir ein gutes Netzwerk haben, dass wir noch mehr Kinder erreichen können. Das ist für mich schon ein Wunsch, dass noch mehr Kinder so selbstbestimmt und motiviert lernen dürfen.“

Eine Einteilung in Klassenstufen gibt es nicht

Ein wichtiger Baustein der „Schule für Circuskinder“  ist der Unterricht vor Ort. Die beiden Schulkinder Miguel, 11, und Anthony, 9, kommen ins Wohnmobil. Beide werden gemeinsam unterrichtet, eine Einteilung in Klassenstufen gibt es nicht. Normalerweise gehören fünf Kinder zu dieser Lerngruppe, die anderen sind heute aber entschuldigt.

Ein Schultag besteht in der Regel aus fünf Zeitstunden – der Unterricht beginnt für die Schüler um 9 Uhr und endet meist um 14 Uhr. Mathe und Deutsch stehen häufig als erstes auf dem Stundenplan, erzählt die Lehrerin. Miguel fängt mit Matheaufgaben an, Anthony widmet sich zuerst dem Schreiben.

Durch die geöffneten Fenster des Wohnmobils dringt Musik aus dem Zirkuszelt herüber. Heute ist eine Generalprobe, erzählen die beiden Kinder. Die Mitglieder des Zirkus haben mit den Klassen der örtlichen Grundschule eine Projektwoche veranstaltet. Trotz des Lärms arbeiten die Kinder konzentriert und lassen sich nicht ablenken.

Hohes Maß an Flexibilität nötig

Der Stundenplan wird flexibel gestaltet. Der Stundenplan wird flexibel gestaltet.

Manchmal müssten einzelne Kinder für eine Probe aus dem Unterricht geholt werden, erzählt Silke Fislage. An einer „normalen“ Schule wäre das ohne Entschuldigung nicht so einfach möglich. Deshalb sei es umso wichtiger, den Schulalltag an die Lebenswelt der Zirkuskinder anzupassen.

Damit das gelingt, ist besonders viel Flexibilität notwendig, sagt die Lehrerin. Jeder Tag  sei anders. So sind auch die Pausen nicht genau festgelegt. Die erste ist heute gegen 11 Uhr, die Kinder verschwinden in ihren Wohnwagen, um zu frühstücken. Diese Zeit nutzt Silke Fislage, um Lernpakete zusammenzustellen, die an den Tagen bearbeitet werden, an  denen kein Unterricht vor Ort stattfindet.

Online-Lernen als ein Standbein der „Schule für Circuskinder“

Das digitale Lernen ist ein weiteres Standbein der Betreuung in der „Schule für Circuskinder“.  Es soll den Kindern nicht nur ein zeit- und ortsunabhängiges Bildungsangebot bieten, sondern auch das Fernlernen unterstützen. Grundlegende Medienkompetenzen wie den Umgang mit Laptops, Tablets und Handys erlernen sie schrittweise mit Beginn der Schulzeit. Mit der Eingliederung des digitalen Lernens in den Stundenplan ist die Circusschule anderen Schulen um einiges voraus, sagt die Lehrerin. „Durch das Onlinelernen im virtuellen Klassenzimmer kann man einfach sehr schnell kommunizieren und die Kinder können einzeln und individuell online betreut werden“, erzählt sie.

In kleinen Klassen wird auf persönliche Bedürfnisse eingegangen

Ein weiterer unterscheidender Aspekt sind die kleinen Klassen, die es ermöglichen, auf die persönlichen Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Der Stundenplan ist zum Beispiel nicht genau festgelegt. Miguel ist gerade noch vertieft in seinen Matheaufgaben. Die Lehrerin sagt: „Wenn er Lust und Spaß daran hat, dann kann er heute auch einfach länger Mathe machen. Dafür macht er dann an einem anderen Tag vielleicht mehr Deutsch.“ Das Konzept scheint zu funktionieren: „Die Kinder lernen gerne und freuen sich auf die Schule“, erzählt Silke Fislage.

Nach der Pause kommt Luis zum Unterricht dazu. Der Fünfjährige ist noch Vorschüler und nimmt in der Regel an zwei bis drei Stunden pro Tag am Unterricht teil. Heute bearbeitet er Bild-Zuordnungsaufgaben, während die anderen Kinder weiter mit ihren Schulaufgaben beschäftigt sind. Gegen 14 Uhr ist der Schultag beendet. Den Kindern bleibt eine kleine Verschnaufpause bis abends der Zirkusalltag ruft. Denn bei der Aufführung mit der örtlichen Grundschule sind die beiden auch dabei. Miguel macht bei der Clown-Nummer mit, erzählt er. Anthony ist Trampolinspringer.

 

25 Jahre „Schule für Circuskinder in NRW“

Die „Schule für Circuskinder in Nordrhein-Westfalen“ der Evangelischen Kirche im Rheinland feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Bei der Jubiläumsfeier am 10. Juli 2019, 15 bis 17.30 Uhr, im Zirkuszelt auf dem Schützenplatz in Düsseldorf-Eller, erhalten 30 Schülerinnen und Schüler ihre Abschlusszeugnisse, übergeben  durch Staatssekretär Mathias Richter und Präses Manfred Rekowski. Elf Erstklässler werden begrüßt. Insgesamt hat die Schule, die die Grundschule und die Gesamtschule der Sekundarstufe I umfasst, 240 Schülerinnen und Schüler aus 130 Unternehmen. Seit 1998 haben 342 Schülerinnen und Schüler die „Schule für Circuskinder in NRW“ verlassen, davon 81 mit einem Hauptschulabschluss, 83 mit einem qualifizierten Hauptschulabschluss nach Klasse 10 und 119 mit einem mittleren Schulabschluss.

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ekir.de / Jana Schruff, Fotos: Claudia Keller / 09.07.2019



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