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Else Lasker-Schüler 1917 (Foto: Wikicommons) Else Lasker-Schüler 1917 (Foto: Wikicommons)

Zum 150. Geburtstag von Else Lasker-Schüler

Dichterin, Zeichnerin und orientalischer Prinz

Sie prägte die Avantgarde, führte ein Leben jenseits bürgerlicher Konventionen, setzte sich als "Prinz Jussuf" in Szene: Else Lasker-Schüler, deren Geburtstag sich am 11. Februar zum 150. Mal jährt, wirkt noch heute modern. Und war vor rund hundert Jahren die vielleicht erste Performerin.

"Eine Lyrikerin hat kein Alter, sie ist nicht an irdische Zeiten gebunden", sagte der Schriftsteller Richard B. Matzig der Dichterin Else Lasker-Schüler (1869-1945) 1936 im schweizerischen Ascona. Die jüdische Lyrikerin, vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten in die Schweiz geflohen, ärgerte sich damals, dass man ihr zum vermeintlichen 60. Geburtstag gratulierte - sie sei jünger. Dabei war sie bereits 67 geworden.

Geboren wurde die Tochter des Bankiers Aaron Schüler und seiner Frau Jeanette am 11. Februar 1869, vor 150 Jahren, in Elberfeld. Über viele Jahre galt Else Lasker-Schüler als eine der schillerndsten Figuren der deutschen Literaturgeschichte. Sie nannte sich "Tino von Bagdad", "Liebling des Pharaos" oder auch "Dichterin von Arabien". Bis zu ihrem Lebensende blieb sie zudem "Prinz Jussuf von Theben".

"Ihre Themen waren jüdisch, ihre Fantasie orientalisch, aber ihre Sprache war deutsch, ein üppiges, prunkvolles, zartes Deutsch", sagte der Arzt und Dichter Gottfried Benn über seine zeitweilige Geliebte.

Herz der Avantgarde

Die Stadt Wuppertal, die aus den damaligen Städten Elberfeld und Barmen hervorging, erinnert zu ihrem 150. Geburtstag mit Theateraufführungen, Lesungen und einer Ausstellung an die expressionistische Dichterin und Zeichnerin. "Else Lasker-Schüler war die größte Tochter unserer Stadt und das Herz der Avantgarde im frühen 20. Jahrhundert", erklärt Kulturdezernent Matthias Nocke.

Seit 1990 kümmert sich in Wuppertal die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft um ihr künstlerische Erbe. Der Vorsitzende und Mitbegründer Hajo Jahn ist begeistert von der "Avantgardistin der modernen Lyrik". Wohl gut 350 Komponisten hätten die Dichtung von Lasker-Schüler vertont. Sie inspiriere auch heute noch junge Künstler und Autoren, sagt Jahn. Und sie sei "vielleicht die erste Performerin weltweit" gewesen.

Frühe Ausstellungen

Schon als kleines Mädchen zeichnete und malte sie, absolvierte eine künstlerische Ausbildung in Berlin. "Poetin der Zeichenfeder" wurde sie später auch genannt. Ihr Lehrer war Simson Goldberg, ein Schüler des Malers Max Liebermann. Lasker-Schülers Bilder wurden schon früh ausgestellt, 1913 in Prag, 1915 in Berlin und München sowie im damaligen Folkwangmuseum im westfälischen Hagen. Später, als sie bereits im Exil war, waren ihre Werke auch in Zürich, Jerusalem oder London zu sehen.

In Berlin lernte Lasker-Schüler über Goldberg auch andere Künstler kennen, die sie in die "Neue Gemeinschaft" mitnahmen, einen Szenetreff von Malern, Musikern und Schriftstellern. Der 1902 veröffentlichte Gedichtband mit dem Titel "Styx" fiel bei der Kritik allerdings durch.

Ihre beiden Ehen mit dem Arzt Jonathan Berthold Lasker und dem Schriftsteller Georg Lewin alias Herwarth Walden scheiterten 1903 und 1912. Zu ihren Freunden in dieser Zeit zählten unter anderen die Maler George Grosz, Oskar Kokoschka, Franz Marc und der Schriftsteller Karl Kraus.

Mit dem Kleistpreis ausgezeichnet

Immer wieder beschwor Lasker-Schüler in ihren Gedichten und Zeichnungen den Orient als märchenhafte Gegenwelt. Sich selbst setzte sie als den hoffnungslos liebenden Träumer und Prinzen Jussuf in Szene, Herrscher über Theben und den ganzen Vorderen Orient. In schrille Gewänder gekleidet, begleitet von Flöten, Trommeln und Rasseln, deklamierte sie ihre Gedichte auf Berliner Bühnen.

1912 erschien mit dem Titel "Mein Herz" ein Liebesroman Lasker-Schülers, ein Jahr darauf dann "Hebräische Balladen", kurz danach "Der Malik". 1939 wurde auch ihr 1909 entstandenes Drama "Die Wupper" im Deutschen Theater Berlin uraufgeführt. Noch im selben Jahr begann der Verlag Paul Cassirer, eine zehnbändige Gesamtausgabe ihrer Gedichte und Prosatexte herauszugeben. 1932 erhielt sie für ihr Werk "Arthur Aronymus" über die brüchige Beziehung zwischen Juden und Christen den angesehenen Kleistpreis und damit Erfolg und Anerkennung.

Emigration in die Schweiz, Übersiedlung nach Palästina

Doch bereits ein Jahr später, mit Adolf Hitlers Amtsantritt als Reichskanzler, änderte sich alles. Lasker-Schüler emigrierte in die Schweiz. Dort entstanden ihre berühmten Gedichte "Die Verscheuchte" und "Mein blaues Klavier". Und das mittlerweile im nationalsozialistischen Deutschland verbotene Stück "Arthur Aronymus" wurde 1936 im Schauspielhaus Zürich uraufgeführt. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch mehr als 100 Bilder von ihr in der Nationalgalerie Berlin. 1937 wurden sie als "entartet" diffamiert, beschlagnahmt und ins Ausland verkauft.

In ihrer Schweizer Zeit litt Lasker-Schüler unter Geldnot, ihr Leben finanzierte sie vor allem durch Zuwendungen von Künstlerfreunden und den Verkauf von Zeichnungen. Im April 1939 schließlich siedelte sie nach Palästina über, fand jedoch als mittellose und vereinsamte Künstlerin auch hier keine Heimat.

Auf dem Ölberg begraben

1943 veröffentlichte sie in Jerusalem ihren letzten, vielleicht schönsten Gedichtband mit dem Titel "Mein blaues Klavier". Der Tod schien allgegenwärtig. In einem der Gedichte heißt es: "Ach liebe Engel öffnet mir - Ich aß vom bitteren Brote - Mir lebend schon die Himmelstür - Auch wider dem Verbote". Das Buch widmete sie "Meinen unvergesslichen Freunden und Freundinnen in den Städten Deutschlands - und denen, die wie ich vertrieben und zerstreut. In Treue!".

Else Lasker-Schüler starb am 22. Januar 1945 in Jerusalem. Ihr Grab befindet sich auf dem Ölberg.

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epd / 08.02.2019



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